Das Unwetter „Elsa“ tobte durch den Landkreis Lüneburg und hinterließ Schäden an der Infrastruktur. Menschen wurden verschüttet oder waren vermisst, aber die zusammengebrochene Kommunikation erschwerte das Auffinden der Personen. Gleichzeitig kam es zu Wald- und Industriebränden im größeren Umfang. Was klingt wie ein Film von Spielberg war das Szenario, welches sich die Kräfte des Technischen Hilfswerkes aus den Ortsverbänden Elmshorn, HH-Bergedorf, HH-Eimsbüttel, HH-Wandsbek, Krefeld, Soest und Paderborn über Pfingsten gestellt haben.
Aus einer Freundschaft der Kräfte dieser Ortsverbände entstand das Übungsformat „IngoEx“, welches dieses Jahr in die vierte Runde ging. Nach dem Aufbau des Feldlagers am Freitag stiegen die Kräfte am Samstagmorgen in das Szenario ein. So konnten die Bergungsgruppen ihr Fachwissen bei Orten und Retten von Menschen aus teileingestürzten Gebäuden unter Beweis stellen. Die Fachgruppen Notversorgung und Notinstandsetzung (FG N) zeiget, wie flexibel sie einsetzbar sind, indem sie neben der Personenrettung auch die Fachgruppen Wasserschaden/Pumpen unterstützen. Die FG W/P mussten der Feuerwehr Löschwasser zur Bekämpfung eines Waldbrandes bereit stellen, da die nächste Quelle durch die Feuerwehr nicht angefahren werden konnte. Unterstützt wurde die Übung hierbei vom Feuerwehr Waldbrandmodul des Katastrophenschutzes Niedersachsen sowie der Freiwilligen Feuerwehr Deutsch-Evern.
Nach einer Übungspause über Nacht wurde am Sonntagmorgen das Szenario ausgeweitet. Wo die Kräfte am Vortag auf dem Truppenübungsplatz in Wendisch-Evern geübt hatten, mussten die Kräfte nun Lagen im Bereich von Lüneburg abarbeiten. So kam es zu einem Industriebrand im Hafen, bei welchem die Fachgruppen W/P unter Beweis stellen mussten, das sie auch im urbanen Gelände die Bereitstellung von Löschwasser meistern. Die Bergungsgruppen und FG N widmeten sich unterschiedlichen Szenarien im Bereich der Eisenbahn. Personen mussten hierbei aus Zügen, unter Waggons oder von Lokomotiven gerettet werden.
Begleitet wurde die Übung durch die FG Logistik-Verpflegung, die für das leibliche Wohl der Helferinnen und Helfer sorgte. Gemeinsam konnten alle Kräfte am Sonntagabend den beim Grillen die Erlebnisse dieser Übung Revue passieren lassen und sich austauschen.
Nach einer gemütlichen Runde mussten die Kräfte am Montag das Camp wieder abbauen und ihre Heimreise in die Ortsverbände antreten.
Wir möchten uns an dieser Stelle bei der Gemeinde Ilmenau (Deutsch-Evern), dem Sportverein SV Ilmenau, der Bundeswehr und dem historischen Eisenbahnverein Heide-Express bedanken, die uns durch das Stellen von Geländen unterstützt haben.
Szenario Samstag:
Abschnitt „Wasser“
Im Bereich des Dieksbach kam es zu einem Waldbrand, wo das THW die Feuerwehr mit der Bereitstellung von Löschwasser unterstützen sollte. Hierzu wurde eine Förderstrecke vom Elbe-Seiten-Kanal bis zur Übergabefläche süd-östlich der „Wüste“ mit einem Fördervolumen von 5000 Liter pro Minute aufgebaut. Der Zugang zum Elbe-Seiten-Kanal wurde erschwert durch einen dichten Bewuchs. Die Einsatzleitung entschied hier die Nutzung von Tauchpumpen, die manuell durch den Wald getragen werden mussten bis zur Förderstelle im Kanal. An dieser Stelle unterstützte eine FG N die FG W/P beim Aufbau. Mittags wurde dann die komplette Förderstrecke am „Übergabepunkt Wasser“ an das GFFF-V Modul 4 (Waldbrandmodul des Katastrophenschutz Niedersachsen) übergeben, die das Wasser zur Bekämpfung des Waldbrandes einsetzten.
Abschnitt „Häuser“
Auf dem nahen Bundeswehrgelände stehende Übungshäuser wurden genutzt, um die Personenrettung zu trainieren. Mittels Schleifkorbtrage aus den Kellergeschossen sowie Leiterhebeln und schiefen Ebenen aus Obergeschossen.
Waren es zunächst nur Dummies, so mussten schließlich auch reale „Verletzte“ geborgen werden. Um einen weiteren Einsturz des Hauses zu verhindern, kamen Abstützmaßnahmen mittels des Einsatzgerüstsystem zum Einsatz.
Szenario Sonntag:
Abschnitt „Wasser“
Zur Unterstützung der Feuerwehr bei einem Industriebrand im Hafen wurde erneut eine Förderstrecke konstruiert, die einmal um das Hafenbecken aufgebaut werden musste. An ihrem Ende dienten die Faltbehälter als Puffer zur Entnahme von Löschwasser durch die Feuerwehr.
Abschnitt „Bahnhof Süd“
Hier erwartete die Einsatzkräfte eine gemischte Lage. Mehrere Gruppen bekamen Einzelaufträge zur Rettung von Personen aus, unter oder von Zügen. So mussten Personen unter einer Lore gerettet werden. Die Helfer hievten die Lore mittels Hebekissen an, sodass eine fachgerechte Rettung möglich wurde.
Ein „Lost Places“-Erkunder war durch den Boden eines Waggons gebrochen; der Zugang und die Rettung durch die geschwächte Struktur des Waggons erschwert.
Eine weitere Person hatte sich beim Klettern auf eine Lokomotive verletzt und musste aus der Höhe geborgen werden.
Schließlich kam es noch zu einem „Arbeitsunfall“. Eine Person war leblos in einer Grube aufgefunden worden. Hier bestand die Gefahr von atemgefährdeten Stoffen, sodass die Einsatzkräfte unter Atemschutz die Bergung vornehmen mussten.
Text und Fotos: THW